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Eine Frage der nationalen Ehre

Nationalsozialistische Pläne für eine „neue deutsche Kolonialpolitik“

von Wolfgang Reith

124 Seiten • 2019 • ISBN 978-99916-784-2-4 • 148 x 210 mm • Brevi Manu Verlag

Im Programm der NSDAP war von Beginn an neben den Plänen für eine Ost-Expansion des Deutschen Reiches auch die Forderung nach Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien verankert, ein Thema, das in den Forschungen über den Nationalsozialismus nach dem Zweiten Weltkrieg kaum Beachtung fand und erst Jahrzehnte später einige wenige Autoren sowohl in Deutschland als auch im Ausland aufgriffen. Allerdings war selbst unter führenden Nationalsozialisten die Ansicht dazu gespalten: Während die einen, vornehmlich um den NS-Chefideologen Alfred Rosenberg, ausschließlich für den „Lebensraum im Osten“ eintraten, plädierten andere, eher konservative Kräfte und frühere Kolonialbeamte und -offiziere, für beide Wege. Demnach sollte zunächst die Ausdehnung Deutschlands nach Osten vorangetrieben werden, anschließend war die Annektierung der einstigen deutschen Kolonien vorgesehen, die man vor allem wegen ihres Rohstoffreichtums wiederzugewinnen trachtete. Nach den militärischen Anfangserfolgen im Zweiten Weltkrieg traf das Großdeutsche Reich sogar konkrete Vorbereitungen, um zusätzlich weite Teile Afrikas unter seine Kontrolle zu bringen.

Hier aber bricht dann – etwa ab 1940 – die koloniale Tradition des Kaiserreiches ab, und es wird eine „neue deutsche Kolonialpolitik“ propagiert, die sich auch von der jahrhundertelangen Politik der übrigen Kolonialmächte unterscheidet und sich stattdessen an der Politik des faschistischen Italiens in seinen nord- und ostafrikanischen Besitzungen (Libyen, Abessinien, Somalia, Eritrea) orientiert. Weil dieser Aspekt in der bisherigen Literatur nahezu völlig unberücksichtigt blieb und auch wissenschaftlich kaum bearbeitet wurde, soll hier das Augenmerk besonders darauf gelenkt werden. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere Äußerungen nationalsozialistischer Funktionäre, welche für sich sprechen und am besten erkennen lassen, wofür die „neue deutsche Kolonialpolitik“ stehen sollte, die ja nicht mehr in die Praxis umgesetzt werden konnte, weil ab Anfang 1943 alle diesbezüglich bereits getroffenen Maßnahmen zugunsten der Fortführung des Kampfes auf dem europäischen Kontinent eingestellt werden mussten, die wegen der inzwischen erfolgten militärischen Niederlagen in Stalingrad und Nordafrika nun absolute Priorität genoss. Der Traum vom eigenen Kolonialreich aber war geplatzt und wurde mit dem deutschen Zusammenbruch von 1945 endgültig begraben, welcher überdies zeitgleich einherging mit dem Beginn der Auflösung der alten kolonialen Imperien.

Wolfgang Reith

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