Hans-Dietrich Moldzio

Hans-Dietrich Moldzio wurde am 08.07.1889 im ostpreußischen Dietrichswalde (Kreis Bartenstein) als Sohn des Gutsbesitzers Paul Moldzio geboren und war mit dem Schriftsteller und Heimatdichter Johannes Richard zur Megede (1864-1906) verwandt. An der Auswanderung nach Deutsch-Südwestafrika interessiert, absolvierte er von 1907 bis 1908 das landwirtschaftliche Ausbildungsprogramm der Kolonialschule in Witzenhausen, um am 17.02.1909 über Hamburg auszureisen und am 10.03.1909 mit der Absicht bei der Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger zu leisten, die deutsche Kolonie zu betreten. Nach verschiedenen Besuchen bei bereits in der deutschen Kolonie ansässigen Bekannten meldete sich Hans-Dietrich Moldzio am 04.04.1909 bei der 6. Kompanie der Kaiserlichen Schutztruppe in Outjo zum Dienst. Einige Zeit nach seiner Entlassung als Unteroffizier im Jahr 1910, erwarb Hans-Dietrich Moldzio die Regierungsfarm Tsawisis im Bezirk Outjo, musste jedoch das Farmen dort 1913 wegen Weidemangel unterbrechen, sein Vieh anderweitig unterstellen und sich mit Gelegenheitsarbeiten durchbringen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er im Rang eines Vizefeldwebels eingezogen, diente unter Hauptmann Oscar Scultetus und nahm an den Gefechten von Pforte und Trekkopje teil. Am 20.06.1915 geriet Hans-Dietrich Moldzio in Kriegsgefangenschaft, die er bis zu seiner zeitigen Entlassung unter Auflagen im selben Jahr im Kriegsgefangenenlager Kimberley in Südafrika verbrachte. Er kehrte in den Bezirk Outjo zurück und farmte zusätzlich von 1916 bis 1925 zur Pacht auf Omatjene. 1925 kehrte er endgültig in seine Heimat zurück, um das elterliche Gut Dietrichswalde in Ostpreußen, das der Familie Moldzio seit 1877 gehörte, weiterzuführen. Am 05.11.1926 heiratete er in der Kirche zu Bladiau Frieda Dahlheimer (1889-1977). Die gemeinsamen Kinder Erhard Moldzio (*1928), Renate Moldzio (1929-1936), die an den Folgen einer Operation einer Mittelohrentzündung im Krankenhaus verstarb und die jüngste Tochter, Karola Moldzio (*1932) wuchsen auf dem Gut auf. 1939, mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Hans-Dietrich Moldzio zum Infanterie-Regiment 44 eingezogen und am 12.09.1939 während des Polenfeldzuges verwundet. Er nahm nach seiner Genesung am Frankreich- und Rußlandfeldzug teil, wurde 1944 abermals verwundet. Im Rang eines Majors erlebte Hans-Dietrich Moldzio das Zusammenbrechen der Ostfront, den Rückzug und geriet bei Heiligenhafen in britische Gefangenschaft. Ende 1945 entlassen, stieß er zu seiner in Clausthal-Zellerfeld versammelten Familie, der die Flucht von dem zerstörten Gut Dietrichswalde gelungen war. Sein Sohn Erhard, der als Marinehelfer diente und dessen Verbleib noch ungewiss war, fand sich ein halbes Jahr später dort ein. Hans-Dietrich Moldzio fand eine befristete Anstellung als Frachtfahrer bei den britischen Besatzungsbehörden und später bei der Demontage der Munitionsfabrik in Hahnenklee. 1950 wurde die Familie vom Flüchtlingshilfswerk nach Anhausen im Westerwald verlegt, wo die Entscheidung reifte, eine bessere Zukunft in Südwestafrika zu suchen. 1951 kehrte Hans-Dietrich Moldzio, finanziell unterstützt durch Freunde, mit seinem Sohn nach Südwestafrika zurück. Als Farmverwalter auf Farm Pristelwitz bei Omaruru und Maschinist des Minenbetriebs in Tsumeb sorgte er für einen finanziellen Grundstock, setzte sein altes Farmerrecht wieder durch und holte seine Ehefrau nach. Seine Tochter Karola, die sich 1956 mit dem Hamburger Holzgroßhändler Claus-Jürgen Sielmann (1929-2003) verlobt hatte, blieb in Deutschland zurück. 1960 übergab Hans-Dietrich Moldzio die Farm Donkerhuk West an seinen Sohn Erhard und musste wegen eines chronischen Herzleidens 1962 nach Deutschland zurückkehren. Er lebte in Hamburg und widmete sich der Familienforschung. Am 03.01.1974 verstarb Hans-Dietrich Moldzio in Hamburg.

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Bücher

Das waren noch Zeiten

von Hans-Dietrich Moldzio

300 S. • s/w Fotos • 2013 • ISBN 978-99945-76-22-7 • 148 x 210 mm

Dieser Erlebnisbericht aus den ersten drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts schildert nicht nur das Leben eines Schutztrupplers während der »Nachkriegszeit« aus der Sicht des kleinen Mannes, sondern zeigt auch anhand persönlicher Erfahrungen die Schwierigkeiten, mit denen sich Neuansiedler im damaligen Deutsch-Südwestafrika beim Aufbau eines Farmbetriebes und einer Existenz auseinanderzusetzen hatten. Mit den Tagebuchaufzeichnungen des Ostpreußen (und Afrikaners) Hans-Dietrich Moldzio wird dem Leser ein eindringliches, abenteuerliches und raubeinig humoristisches Zeitbild der deutschen Kolonialperiode in Südwestafrika (heute Namibia) an die Hand gegeben.

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